NEUES LEBEN FÜR TRADITIONSWERFT IN TÖNNING!

 

Abbildung: Computervisualisierung, Wolfgang Jonas (1989)

 

UNSERE ZIELE

Ziel des Vereins transformare e.V. ist es aus der alten Dawartz-Werft  eine Mitmach-Werft für Zielgruppen jeglichen Alters zu machen. Dafür ist der Kauf der Werft notwendig, was wir durch ihre Spenden-und Fördermittel realisieren möchten.

Zweck des Vereins ist die Volksbildung, unser Fokus liegt dabei auf Kinder-und Jugendbildung. Unsere Ziele zusammengefasst:

  • Die Werft wird wieder zu einem Ort des traditionellen Bootsbaus.
  • Wir öffnen die Werft für Besucher und Bürgerinnen und Bürger.
  • Wir erhalten den historischen Charakter des Ortes.
  • Wir entwickeln eine Mitmachmuseumswerft und der Ort wird zum kreativen Zentrum für Bildungs- und Kulturarbeit in Tönning!

 

DER HAFEN UND DIE HOLZSCHIFFSWERFT DAWARTZ[1]

Tönning gewinnt seit der Mitte des 16. Jahrhunderts als Ausfuhrhafen für landwirtschaftliche Erzeugnisse aus Eiderstedt und als Einfuhrhafen für Holz aus Skandinavien, Steinkohle aus England und Wein aus dem Mittelmeerraum zunehmend an Bedeutung. Im Jahre 1613 erhält der Hafen seine heutige dreiteilige Form; Planung und Durchführung liegen in der Hand holländischer Wasserbauexperten, die in dieser Zeit zahlreich in Nordfriesland aufgenommen werden. 1624 ist Tönning Heimathafen für etwa 100 Schiffe mittlerer Größe. Die folgenden einhundert Jahre verlaufen im rapiden Wechsel von Aufstieg, zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen und dem letztendlichem Niedergang. Mit dem Abriss des Schlosses 1734 wird Tönnings Ära als Festungs- und Residenzstadt endgültig beendet; in der Stadt herrschen Armut und Not. Eine der Fördermaßnahmen der Stadt ist die Errichtung und Verpachtung der Schiffshelling im Jahre 1740 – dies ist der Ursprung der Dawartzschen Holzschiffswerft.

Erst der Bau des Schleswig-Holsteinischen Kanals mit der Errichtung des Packhauses 1783 macht Tönning wieder zu einem wichtigen Umschlagplatz für den Verkehr zwischen Nord- und Ostsee. Während der britischen Kontinentalsperre Anfang des 19. Jahrhunderts - als Antwort auf die napoleonischen Eroberungen - wird das neutrale Tönning zum Ersatzumschlagplatz für das blockierte Hamburg. Tönning erlebt einen kurzen Boom - die Einwohnerzahl liegt mit 6000 höher als heute -, der aber ab 1807 schnell wieder vergeht.

Der nächste Aufschwung hat mit der Industrialisierung Englands zu tun. 1842 wird Tönning Ausfuhrhafen für Vieh nach Ostengland, auf der Rückreise wird Steinkohle eingeführt und in Tönning weiterverarbeitet. Auch diese Blütezeit dauert nicht sehr lange. Das in England 1889 erlassene Vieheinfuhrverbot und insbesondere die Inbetriebnahme des neuen Kaiser-Wilhelm-Kanals (später: Nord-Ostsee-Kanal) beenden auch diese Wirtschafts- und Handelsphase. Der Hafen verliert mehr und mehr an Bedeutung.

1889 erfolgt die Gründung der Tönninger Eisenschiffswerft, die 1906/07 bis zu 1600 Arbeiter beschäftigt. Schon 1923 wird der Betrieb wieder stillgelegt. Die Krabbenkutterflotte, die zeitweise bis zu 60 Schiffe umfasst, wird nun zur Haupteinnahmequelle der Stadt. Der Großteil der Kutter stammt von der Dawartz-Werft. Die zunehmende Industrialisierung des Fischfangs und die auch staatlich geförderte Verwendung immer größerer stählerner Fangschiffe führen jedoch seit den 1960er Jahren zu einem stetigen Rückgang der Neubautätigkeit.

Abbildung: Die Dawartz Werft im Jahr 1921 und im Jahr 2014

In der ersten Hafenordnung von 1613 wird eine „Zimmerstette“ an der Südseite des Hafens erwähnt; es ist aber unklar, ob dort in den folgenden mehr als einhundert Jahren neben Reparatur auch Neubau betrieben wurde. Im Jahre 1740 erhält die Stadt Tönning von der königlich schleswig-holsteinischen Kammer in Gottorf die Konzession zum Anlegen einer Schiffshelling, „umb darauf Schiffe reparieren und zimmern zu laßen, und zwar auf demjenigen Platze, woselbst vor diesem eine Helling gewesen“. Das Jahr 1740 gilt seitdem als offizielles Gründungsjahr der Tönninger Holzschiffswerft. Die Geschäfte laufen in den ersten Jahrzehnten sehr wechselhaft. Mit dem Bau des Kanalpackhauses 1783 zieht die Werft auf ihren heutigen Standort um. Dennoch kommt die Neubautätigkeit nur zögerlich in Gang. Der erste Neubau, NEPTUNUS mit 28,5 Kommerzlasten, ist 1797 nachweisbar. 1816 wird das heute noch stehende Wohnhaus auf dem Gelände errichtet. Eine kleine Blütezeit erlebt die Werft zwischen 1839 und 1862, die Belegschaft erreicht zeitweise 23 Mann. Zimmereiarbeiten und Unteraufträge für die Eisenschiffswerft stabilisieren den Betrieb in der Folgezeit.

 

Abbildung: Der Hafen Tönning im Jahr 1964 und im Jahr 2014. Blick von der Dawartz Werft, hinten rechts im Bild ist das historische Kanalpackhaus zu sehen.

1910 übernimmt der Schiffszimmermeister Friedrich Dawartz die Werft. Es werden von nun an in erster Linie Fischkutter gebaut, in der Zeit bis 1954 ca. 190 Stück. 1920/21 entsteht der Dreimast-Gaffelschoner GREIF von 500 Tonnen und 46,5 m Länge, das größte jemals in Tönning gebaute hölzerne Schiff. 1954 übernimmt der Sohn Erich Dawartz die Werft. Zunächst werden weiterhin vorwiegend Fischkutter gebaut, die Belegschaft besteht zeitweise aus bis zu 16 Personen. In den 1960er Jahren ist jedoch ein starker Rückgang der Neubautätigkeit zu verzeichnen, da zunehmend größere stählerne Fischereifahrzeuge verlangt werden. Die STURMWIND, 15m Länge, läuft 1968 als letzter für Tönninger Rechnung gebauter Fischkutter vom Stapel. Seitdem wurden von Erich Dawartz und seiner Frau Karla noch Reparatur, Restaurierung und Neubau historischer Fahrzeuge betrieben, darunter der schleswig-holsteinische Jachtschoner LA PALOMA. Heute liegt der Betrieb still.

Seit 1957 unternimmt die Stadt Tönning verstärkt Bemühungen zur Förderung des Fremdenverkehrs. Ein überregional bekanntes touristisches Leuchtturmprojekt ist seit 1999 das Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum.

 

[1] Alle Angaben zu Hafen und Werft aus Jonas, W. (1990) Schiffbau in Nordfriesland. Husum: Husum Druck