Rettung der Tönninger Schiffswerft: Auf Kurs und mit voller Kraft voraus
vom 18. Januar 2015
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Verein „transformare“ ist jetzt gemeinnützig und bereitet den Ankauf der Tönninger Schiffswerft von 1740 vor. Das Ziel: Am Hafen soll eine Mitmach- und Museumswerft entstehen.


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Schmieden große Pläne für eine kleine Werft: Vorsitzende Marén Bökamp mit ihren Mitstreitern Wolfgang Jonas und Jörn Kohlus.

Die Segel sind gesetzt, der Kurs festgelegt. Allerdings benötigt die Crew noch Verstärkung. Deshalb sucht der Verein „transformare“ noch enthusiastische Mitstreiter und Förderer. Seit August vergangenen Jahres haben dessen Mitglieder ein festes Ziel vor Augen. Sie wollen aus Schleswig-Holsteins ältester Holzschiffswerft von 1740 eine Mitmach-Werft machen. Doch vorerst gilt es, sie aus dem Dornröschen-Schlaf zu wecken. Denn seit einigen Jahren ruht die Arbeit auf dem Dawartz-Gelände in Tönning, ist dort kein Schiff mehr vom Stapel gelaufen.

Das Konzept steht. Vorsitzende Marén Bökamp gibt die Schlagzahl vor – und die ist gewaltig. Gespräche, Telefonate, Formalien. Eine erste Hürde wurde schon genommen, denn seit November ist „transformare“ ein eingetragener Verein, also gemeinnützig. „Wir können jetzt Spendenquittungen ausschreiben“, sagt die Meeresbiologin, die das Projekt in ihrer Freizeit und in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Wolfgang Jonas federführend betreut. Erste Spenden sind bereits auf dem Vereinskonto gutgeschrieben worden. Und auch sonst, erfährt das Vorhaben von vielen Seiten positive Resonanz.

„Alle sind von unserem Projekt begeistert“, sagt Marén Bökamp und berichtet von Gesprächen mit Politikern und Vertretern des Wirtschaftsministerium. Auch das Treffen mit Okke Peters, dem Leiter der Husumer Werkstätten, und möglicher Kooperationspartner, sei durchweg positiv verlaufen, erzählt sie. „Wir entwickeln eine Mitmach-Museumswerft – und der Ort wird zum kreativen Zentrum für Bildungs- und Kulturarbeit“, ist die Vorsitzende überzeugt.

Doch über allen Bestrebungen und Visionen steht zunächst der Ankauf der Werft – die vorerst größte Hürde, die es für den kleinen Verein zu nehmen gilt. Unterstützung erfährt der Zusammenschluss auch durch die Familie Dawartz selbst. Werft-Eigner Erich Dawartz (84) ist nicht nur „transformare“-Mitglied, sondern hat dem Verein auch ein Vorkaufsrecht eingeräumt, um dem Projekt eine sichere Verhandlungsgrundlage beim Einwerben von Sponsoren- und möglichen Fördergeldern zu geben.

„Egal, mit wem wir reden. Alle sind begeistert“, sagt Marén Bökamp. Und das freut nicht nur Werft-Besitzer Dawartz, der sich wünscht, dass die Schiffsbau-Tradition in der Eider-Stadt noch lange Bestand haben wird. Immerhin waren in der Blütezeit der Tönninger Werft auf dem Hafen-Gelände bis zu 50 Leute beschäftigt – und wenn es nach der Vorsitzenden geht, soll es wieder so sein.

Marén Bökamp hat die Ziele klar definiert: Die Werft soll wieder zum Ausbildungsort für traditionellen Bootsbau werden, sie soll zur Volksbildung beitragen und nicht zuletzt zur Attraktivität der Stadt und ihres Hafens beitragen. Deshalb hofft die Vorsitzende auf eine breite Unterstützung von vielen Seiten.

Der Weg dorthin ist noch lang, aber Marén Bökamp und ihre Mitstreiter sind bereit, ihn zu gehen.

Artikel: Torsten Beetz, erschienen in den Husumer Nachrichten